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Lärmsorgen

Auto

Leise Autos: Utopie oder nahe Realität?

Motorensound ist sexy. Oder nicht? Es gibt wenige Arten von Lärm, deren Akzeptanz die Gesellschaft mehr spaltet als das Geräusch von PS-starken Motoren. Was für die einen wie das Schnurren einer Katze tönt, ist für die anderen der blanke Horror.

Bald nur noch als Modelle erhältlich? Laute Supersportwagen im Schaufenster eines Zürcher Spielwarengeschäfts.
Quelle: Fachstelle Lärmschutz Kanton ZH

Lautes Dröhnen, viel Hubraum und grosse Leistung gelten bei einem Teil der Bevölkerung noch immer als Status- und Machtsymbol. Für Geräuschemissionen von Personenfahrzeugen gelten Grenzwerte, die bis 2026 EU-einheitlich stufenweise gesenkt werden sollen. Zudem sind Bauteile, die einzig und allein dem Zweck der Geräuschverstärkung dienen, ab 2016 verboten. Diese Änderungen betreffen jedoch nur neue Fahrzeugmodelle, für Importe neuer Fahrzeuge älterer Fahrzeugmodelle gilt eine Übergangsfrist bis 2022. Auch beim standardisierten Lärmmessverfahren scheinen die Autohersteller, ähnlich wie bei den Abgaskontrollen, zu tricksen.


Situation

Geräuschemissionen von Autos: Die Pläne der EU

Eine Geräuschreduktion von nur wenigen dB hat schon einen hörbaren Effekt, so wird ein Auto mit einem Geräuschpegel von 75 dB als ebenso laut empfunden wie zehn gleichzeitig vorbeifahrende Autos mit einem Wert von 67 dB.
Die von der Schweiz übernommene Verordnung 540/2014 der EU ist seit Sommer 2016 in Kraft und sieht einheitliche Grenzwerte für die Geräuschemission von Motorfahrzeugen vor. Diese sind abhängig von vom Verhältnis zwischen Leistung und Gewicht. Sie variieren für die Klasse M1 (Personenwagen mit höchstens acht Sitzplätzen ausser dem Fahrersitz) von höchstens 72 dB für ein Leistung/Masse-Verhältnis von 120 kW/1'000 kg bis höchstens 75 dB für leistungsstarke Sportwagen (> 200 kW/1'000 kg). Diese Werte sollen bis 2026 schrittweise auf höchstens 68 beziehungsweise 72 dB gesenkt werden. Diese Verschärfung gilt jedoch nur für zukünftige Automodelle. Fahrzeuge aktueller Modelle, deren Emissionen über den neuen Grenzwerten liegen, dürfen noch bis ins Jahr 2022 in die Schweiz importiert werden.

Verbot von Auspuffklappensystemen

Seit dem Jahr 2016 sind Auspuffklappensysteme verboten, die einzig und allein der Erhöhung der Schallemission dienen. Diese Systeme werden von den Herstellern oft als "Sportmodus" deklariert, bei dessen Aktivierung Klappen im Auspuffsystem öffnen und den Motorenlärm ungedämpft freigeben. Das Verbot gilt jedoch - analog zu den neuen Emissionsgrenzwerten - nur für neue Fahrzeugtypen. In Neuwagen älterer Fahrzeugmodelle dürfen Auspuffklappensysteme noch bis 2022 eingebaut werden.

Messverfahren der Geräuschemission von Fahrzeugen: Herstellertricks?

Das standardisierte Messverfahren der EU, welches auch in der Schweiz angewendet wird, sieht vor, dass das zu testende Fahrzeug mit 50 km/h in eine Messstrecke einfährt und dann voll beschleunigt wird. Nach zehn Metern Fahrt wird der Geräuschpegel gemessen, dieser muss die gesetzlich vorgegebenen Grenzwerte einhalten. Das Konsumentenmagazin "Kassensturz" stellte Ende 2015 jedoch fest, dass die Hersteller ihre Fahrzeuge speziell für die Ansprüche dieses Messverfahrens leiser machen. So zeigte sich, dass wenn die getesteten Fahrzeuge nur drei bis sechs km/h schneller in die Teststrecke einfuhren, sich die gemessene Lautstärke verdoppelte bis vervierfachte. Eine ähnliche Herstellerpraxis wurde auch beim Schadstoffausstoss festgestellt.

Vermeidung von unnötigem Lärm ist gesetzlich verankert

Der Artikel 33 der Verkehrsregelnverodnung besagt, dass Fahrzeugführer, Mitfahrende und Hilfspersonen, namentlich in Wohn- und Erholungsgebieten und nachts, keinen vermeidbaren Lärm erzeugen dürfen. Dazu gehören unter anderem hohe Drehzahlen des Motors im Leerlauf, zu schnelles Beschleunigen, das Fahren in niederen Gängen oder fortgesetztes unnötiges Herumfahren in Ortschaften.
Die Stadtpolizei Zürich beispielsweise sprach an einem schönen Samstagnachmittag Anfang April 2017 24 Bussen wegen vermeidbarem Lärm gegen Fahrzeughalter aus, die ihre PS-starken Wagen im Stadtzentrum der Öffentlichkeit präsentierten und dabei lautstark immer die gleiche Route abfuhren. Die Fahrzeughalter zielten auf die Aufmerksamkeit so genannter "Carspotter" ab, Autoliebhaber, welche die schnellen Fahrzeuge fotografieren und die Bilder danach in den sozialen Medien veröffentlichen.
Verzeigungen wegen Verursachens von vermeidbarem Lärm sind vor Gericht jedoch schwierig durchzusetzen, da seitens der Anklage der Tatbestand eindeutig bewiesen werden muss und deshalb oftmals der Grundsatz "im Zweifel für den Angeklagten" angewendet wird.


Zuständigkeit

Für Lärm ausgehend von Personenwagen und die Einhaltung der zugehörigen Grenzwerte ist die jeweilige kantonale Fachstelle und in grossen Städten die entsprechende städtische Amtsstelle zuständig.

Lärmschutzfachstellen


Für Modifikationen und die Zulassung von Motorfahrzeugen ist die Abteilung Fahrzeugtypisierung des Bundesamts für Strassen ASTRA zuständig.

Homologation (Zulassung) von Fahrzeugen


Bei akuter Lärmbelästigung kontaktieren Sie die Polizei (Tel. 117).


Rechtsprechung

Gesetzliche Grundlagen
Bundes- und Verwaltungsgerichtsentscheide

In der Rubrik «Recht & Gesetz» ist eine Sammlung mit Bundes- und Verwaltungsgerichtsentscheiden zu verschiedenen Lärmarten zu finden. Die Liste wird laufend aktualisiert.


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